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2. Juni 2017

„Literatur vom Feinsten aus einem Milieu vom Gröbsten!“

Bücher, die die Welt bedeuten – aber für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen (noch) nicht zugänglich. In dieser Kolumne lernen sie ab sofort tolle Bücher kennen und können darüber hinaus Gutes tun.

Mit einem Buch, das seelische und durchaus auch körperliche Schmerzen verursacht, wollen wir unsere neue Kolumne vorstellen. In unregelmäßigen Abständen möchten wir an dieser Stelle ein aktuelles Buch vorstellen, welches wir als wichtigen und bedeutsamen Roman erachten, aber das noch nicht für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen zugänglich ist.

Heinz Strunk ist zusammen mit seinen Kollegen Rocko Schamoni und Jacques Palminger als Studio Braun in den späten 1990iger Jahren mit herrlich witzigen und grotesken Telefonstreichen im lokalen Hamburger Radio bekannt geworden. Bei Telefonspesen beließ es Strunk jedoch nicht. Er war in den nächsten Jahren als Spitzenkandidat für die Hamburger PARTEI tätig, moderierte für VIVA und Radio Fritz, ging mit Charlotte Roche auf Lesetour, um aus einer Doktorarbeit zum Thema „Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern“ zu lesen und schrieb mal eben mit FRAKTUS die Geschichte der elektronischen Tanzmusik um.

Neben all den Tänzen durch die deutsche (Sub)Kultur schrieb er regelmäßig und mit wachsendem Erfolg Bücher. Im Feuilleton und bei einem breiten Publikum ist er 2004 mit der Geschichte über eine drittklassische Musikkapelle („Fleisch ist mein Gemüse“) bekannt geworden – er konnte über 400.000 Exemplare verkaufen. 2016 ist nun sein siebenter Roman erschienen. „Der Goldene Handschuh“ ist ein abscheuliches und grotesk-komisches Sittenbild der 1970iger Jahre in Hamburg. Mit diesem Roman hat sich Strunk letztendlich in die Herzen der wichtigsten deutschen Literaturkritiker geschrieben ohne dabei an street credibility in der Subkultur zu verlieren. Damit zeigt sich auch, dass die Trennung von Hoch- und Subkultur nicht nur überwindbar ist. Nein, sie ist auch einfach Quatsch. Heinz Strunk ist der beste Beweis dafür. Oder wie der FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube es formulierte: „Heinz Strunk, dem das Stilwunder gelungen ist, ohne Kälte lakonisch zu schreiben. (…) treibt die Empathie mittels erlebter Rede, die er unfassbar präzise einsetzt, bis dahin, wo sonst niemand mehr mitfühlen will. (…) Dieses Buch ist eine Zumutung, eine große und zugleich humane Zumutung. Jedenfalls dann, wenn zu bedeutender Literatur gehört, den Blick von nichts abzuwenden.“

Mehr Information zum Buch und wie man Buchpate wird gibt es hier.

Das Zitat aus der Überschrift ist übrigens von der Preisverleihung zum Wilhelm Raabe Preis, den Strunk für den goldenen Handschuh erhielt.

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